Zurück in die Zukunft: die OPSIconf 2026 in Mainz

Zurück in die Zukunft: die OPSIconf 2026 in Mainz

Wir alle wissen, dass man keine Straßen braucht für eine Reise in die Zukunft – für eine Fahrt nach Mainz schon. Mit einem DeLorean ist zwar niemand gekommen, aber so viele Menschen wie noch nie fanden ihren Weg zur fünften OPSIconf am 14. und 15. April 2026. Das Motto: OPSI, zurück in die Zukunft.

Die Zeitkapsel öffnet sich

Doc Brown brauchte einen Blitzeinschlag. Ich kam mit einem Zugticket und einem lauwarmen Kaffee aus dem Bordrestaurant. Viele Teilnehmer*innen waren zum allerersten Mal dabei und wussten noch nicht, was auf sie zukommt. Die anderen wussten es und kamen trotzdem. Oder vielleicht gerade deswegen. Eine interaktive Umfrage zu Beginn zeigte, was alle erwarteten: Roadmap, Neuigkeiten, Austausch, Community. Und irgendwo in der Mitte der Wordcloud, in auffälliger Schrift, die Zahl 42. Manche Dinge brauchen keine Erklärung.

Temporaler Knotenpunkt

Doc Brown hätte vermutlich eine längere wissenschaftliche Erklärung gehabt, warum Mainz alle zwei Jahre zum temporalen Knotenpunkt des gesamten Raum-Zeit-Kontinuums wird – bevor er zu dem Schluss gekommen wäre, dass es vielleicht doch nur ein dummer Zufall ist. Ich tippe auf kosmische Signifikanz. Dass sich hier alle zwei Jahre dieselben Menschen treffen, ist kein Zufall. Das ist Gravitationskraft. Der erste Tag gehörte wie immer den Workshops. „Administration mit OPSI-configed & OPSI-WebGUI: Best Practices“ und danach „Automatisierung mit opsi-cli“ – und wer noch nie mit OPSI gearbeitet hatte, war im UIB-Büro beim Basis-Workshop für opsi-Einsteiger*innen in guten Händen.

Wer schon immer mal wissen wollte, warum sich die Default-Properties im opsi-configed so unübersichtlich anfühlen, hatte hier die Gelegenheit, das direkt zu fragen – und eine Antwort von den Leuten zu bekommen, die es umsetzen. Der erste Workshop zeigte, was 2025 passiert ist: Multi-Line-Editierung bei Host-Parametern und Product-Properties, Markdown in Produktbeschreibungen, eine neue Tab-Struktur für Depots, Produkte und Clients, freie Client-Suche mit invertierbarer Auswahl, Remote Control und opsiclientd-Timeline. Dazu ein erster Blick auf die neue OPSI-WebGUI und das lange erwartete Dashboard mit konfigurierbaren Ansichten. Features wurden zugesagt, Wünsche notiert. Das ist der Unterschied zu einem normalen Support-Ticket: Hier sitzt du im selben Raum wie die Person, die deinen Wunsch in ein paar Wochen umsetzen kann.

Es folgte: Kommandozeilen-Magie live und in Farbe. Zwei Stunden opsi-cli, dem OPSI-Kommandozeilenwerkzeug, das seit 2021 entwickelt wird und inzwischen unter Linux, Windows und macOS läuft. Datenausgabe und -verarbeitung, Arbeit mit OPSI-Paketen, Client-Management – drei Themenbereiche, ein Tool. Was früher mehrere separate Werkzeuge brauchte, steckt jetzt in einem. Zu SSO: SAML2 läuft, Keycloak funktioniert, SSH-Schlüssel leider nicht. Und zur Frage, ob man Passwörter in opsi-cli speichern sollte, kam die ehrlichste Antwort des Tages: „Ob ich’s empfehlen würde? Also, ich nutze es nicht.“

2.000 Jahre und ein Secco

Am Dienstagabend brachen zwei Gruppen auf. Eine fuhr mit dem Gutenberg-Express auf Stadtrundfahrt. Die andere – ich war dabei – machte einen WineWalk durch Mainz: Wer gedacht hatte, er bekommt eine brave Stadtführung mit Broschüre, lag falsch. Stattdessen: Gassen, die kein Tourist findet, Flaschen, die sich wie von Geisterhand öffneten, und ein Guide, der Stadtgeschichte erzählt, als wäre er bei allem persönlich dabeigewesen. Wir lernten, dass Mainz aus der Sauna heraus verteidigt wurde. Dass der Grauburgunder „die Missionarsstellung unter den Weinsorten“ ist. Und dass ein prickelnder Secco „auf der Zunge tanzt“.

Später saß die ganze Gruppe beim Essen zusammen. Irgendwo zwischen Dessert und dem vierten Glas, verschwamm die Grenze zwischen Abendprogramm und Fachkonferenz vollständig. „Wie heißt nochmal der opsi-cli-Parameter, der …“ Einer fragte, drei antworteten gleichzeitig, und schon redeten alle durcheinander. Das ist der Moment, den man nicht plant. Genau deshalb fährt man zur OPSIconf.

1,21 Gigawatt für OPSI

Pünktlich um 9 Uhr startete am Mittwoch die Keynote von Dr. Jan Werner und Dr. Bardo Wolf, den beiden Geschäftsführern der uib GmbH. Wer die Zukunft in Ordnung bringen will, schaut zuerst in die Vergangenheit – und wer eine Software seit 1994 am Leben hält, hat eine Menge Vergangenheit, auf die man bauen kann. Jan und Bardo blickten erst zurück auf ein ereignisreiches Jahr 2025, dann nach vorne.

Das Highlight: OPSI in der Cloud ist da. Kein eigener Server, keine Wartung, kein Adminaufwand – UIB übernimmt Infrastruktur, Betrieb und Updates, DSGVO-konform mit Standort Deutschland, alle Enterprise-Erweiterungen inklusive. Marty McFly wäre bei dem Gedanken an 1,21 Gigawatt sprachlos gewesen, aber er hätte gefragt: „Was zum Teufel ist eine Cloud?“ Die Antwort: OPSI, professionell gehostet – und der Server läuft schon.

Wer fragt, kriegt Antworten

Rico Barth und Jörg Brückner von der KIX Service Software GmbH zeigten, was passiert, wenn OPSI und KIX zusammenarbeiten: HW/SW-Inventar immer aktuell, SW-Rollout mit automatischer Dokumentation, eine einzige Datenbasis für alle. Eine Single Source of Truth – und wer schon mal erklärt hat, warum auf drei verschiedenen Listen drei verschiedene Versionsnummern stehen, weiß, was das wert ist.

Nils Otto präsentierte die Modernisierung von opsi-script: Python statt eigener Skriptsprache – kein fertiges Produkt, sondern ein Projekt am Anfang, bei dem die Community früh einbezogen werden soll. Der Grund für den Wechsel liegt auf der Hand: opsi-script hat einen eigenen Interpreter, den kaum jemand pflegen mag, wenig Tooling-Unterstützung und eine Codebasis, die größere Umbaumaßnahmen schlicht nicht mehr hergibt. Python bringt IDE-Support, KI-Hilfe beim Schreiben, lokales Testen und eine Syntax, die die meisten schon kennen. Das Publikum hatte Fragen. „Werden auch User-Login-Skripte umgeschrieben? Können eigene Bibliotheken eingebunden werden?“ Die Antwort: „OPSI setzt keine Grenzen“ – woraufhin jemand aus dem Publikum murmelte: „Ja, das verspricht Microsoft auch seit Jahren.“ Gelächter.

Danach meldete sich die opsi4institutes-Community zu Wort. Seit der ersten Mailingliste am 22. Februar 2015 ist o4i auf rund 230 registrierte Einrichtungen und 450 angemeldete Nutzer*innen gewachsen, betreibt ein eigenes Git-Repository, ein Paket-Repository mit über 160 nicht-öffentlichen Paketen und organisiert sich im Deutschen Forschungsnetz. Alles ehrenamtlich, neben dem eigentlichen Job – und mit Unterstützung der UIB von Anfang an, wofür es ein herzliches Dankeschön gab.

Eric Esser zeigte, wie Desinfec’t und OPSI im Ernstfall zusammenspielen: Als OPSI-Netboot-Paket lässt sich Desinfec’t über o4i_desinfect auf beliebig vielen Clients automatisiert ausrollen, Bitlocker-verschlüsselte Platten entschlüsseln, scannen und das Ergebnis direkt über den OPSI-Service zurückschreiben. Wer im Ernstfall wissen will, wie viele Clients betroffen sind: hier ist die Antwort. Am Ende ein aufrichtiger Dank an das UIB-Team, das „auch noch freitags um 17 Uhr ans Support-Telefon geht“.

Roadmap: 4.3 und darüber hinaus

Zeitreisen können anstrengend sein – das weiß jeder, der schon mal einen Versionssprung mitgemacht hat. Den Abschluss machte Jan Werner mit dem Ausblick auf neue Features in OPSI 4.3 und OPSI 5. Für 4.3 kommen noch ARM-Unterstützung für Windows-, macOS- und spezielle Linux-Clients sowie neue Notifier. Für OPSI 5 ist die Liste länger: neues Semantic Versioning, überarbeitetes Lizenzmanagement in opsi-configed und WebGUI, überarbeitetes WAN/VPN-Modul, Notifier 5, verbessertes Reporting mit Dashboard und CVE-Monitoring, optimiertes Paketformat, überarbeitete API, Mandantenfähigkeit und Rollenkonzepte sowie bessere MDM-Anbindung.

Auf die Frage nach dem Zeitplan gab es ein Lächeln und: „Kein Kommentar.“ Eines ist aber klar: OPSI 5.0 ist der Startschuss, nicht die Ziellinie – weitere Features folgen mit 5.1, 5.2 und so weiter. Die Zukunft ist eben noch nicht geschrieben. Das gilt für Roadmaps genauso wie für Zeitreisen.

Zum Abschluss eine interaktive Umfrage: „Was hat am besten gefallen, was nehmt Ihr mit, was hat gefehlt?“ Bei den Highlights ganz oben: opsi-cli, Austausch, Python, Social Event. Mitgenommen wurden: neue Kontakte, Inspiration, Desinfec’t, KIX – und laut Umfrage auch eine Basecap, ein T-Shirt und einen Kugelschreiber. Was gefehlt hat? Ein OPSI-Hoodie. Mehr Schlaf. Und: 42.

Bleibt opsifiziert!

Was man aus der Zukunft macht, liegt in den eigenen Händen – oder in diesem Fall: in den eigenen Skripten. 2028 sehen wir uns wieder, auf der nächsten OPSIconf in Mainz. Ich fang schon mal an, einen DeLorean zu suchen.



Eindrücke der OPSIconf 2026

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